Gemeinsame genetische Grundlagen von ADHS und Autismus

Am 23.12.2025 berichtete ScienceDaily über eine der bislang größten genetischen Studien im Bereich der Psychiatrie unter dem Titel „Largest genetic study shows shared roots of psychiatric disorders“. Ein zentraler Schwerpunkt der Untersuchung lag auf der Analyse genetischer Überschneidungen zwischen verschiedenen psychischen Erkrankungen, darunter ADHS und Autismus-Spektrum-Störungen.

Datengrundlage und Studiendesign

Die Studie basiert auf der Auswertung genetischer Daten von mehreren Millionen Personen aus internationalen Forschungsprojekten. Verwendet wurden groß angelegte genomweite Assoziationsstudien (GWAS), um genetische Varianten zu identifizieren, die mit unterschiedlichen psychiatrischen Diagnosen in Zusammenhang stehen.

Untersucht wurden unter anderem:

  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
  • Autismus-Spektrum-Störungen
  • depressive Störungen
  • Angststörungen
  • bipolare Störung
  • Schizophrenie

Zentrale Befunde zu ADHS und Autismus

Die Studie berichtet, dass ADHS und Autismus signifikante genetische Überschneidungen aufweisen. Mehrere identifizierte genetische Varianten zeigten Assoziationen mit beiden Diagnosen.

Diese gemeinsamen genetischen Marker lagen insbesondere in Genregionen, die laut Studie mit folgenden biologischen Prozessen verbunden sind:

  • neuronale Entwicklung
  • Ausbildung und Funktion synaptischer Verbindungen
  • Signalverarbeitung in neuronalen Netzwerken

Die Forschenden beschreiben, dass diese genetischen Faktoren nicht diagnosespezifisch sind, sondern bei mehreren psychiatrischen Störungsbildern auftreten.

Geteilte genetische Risikofaktoren über Diagnosen hinweg

Neben ADHS und Autismus identifizierte die Studie weitere überlappende genetische Risikofaktoren zwischen verschiedenen psychischen Erkrankungen. Laut den Studienergebnissen zeigen sich genetische Überschneidungen auch zwischen:

  • ADHS und depressiven Störungen
  • Autismus und Schizophrenie
  • affektiven Störungen und Angststörungen

Die Analyse zeigt, dass viele genetische Varianten gleichzeitig mit mehreren Diagnosen assoziiert sind.

Genetische Architektur psychischer Erkrankungen

Die Studie beschreibt die genetische Architektur psychischer Erkrankungen als stark überlappend. Ein Teil der identifizierten Gene beeinflusst grundlegende neurobiologische Prozesse, die bei verschiedenen psychiatrischen Diagnosen eine Rolle spielen.

Die Forschenden berichten, dass sich anhand der genetischen Daten keine klar abgegrenzten genetischen Profile für einzelne Diagnosen ableiten lassen.

Zusammenfassung der berichteten Studienergebnisse

Die Studie berichtet zusammenfassend, dass:

  • ADHS und Autismus gemeinsame genetische Risikofaktoren aufweisen
  • viele genetische Varianten diagnoseübergreifend auftreten
  • psychische Erkrankungen genetisch stark miteinander verknüpft sind

Originalstudie:

Grotzinger, A. D., Werme, J., Peyrot, W. J., et al. Mapping the genetic landscape across 14 psychiatric disorders. Nature, 10. Dezember 2025. DOI: 10.1038/s41586-025-09820-3