PMDS – Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen der prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS) sind noch nicht vollständig geklärt. Heute geht man davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken: biologische (körperliche), psychologische (seelische) und soziale Einflüsse.

Hormonelle und biologische Faktoren

PMDS hängt eng mit dem Menstruationszyklus zusammen. Die Symptome treten nur dann auf, wenn ein Eisprung stattfindet – sie fehlen z. B. in der Schwangerschaft, in Stillzeiten ohne Zyklus oder nach den Wechseljahren. Wichtig ist dabei:

Frauen mit PMDS haben keine „falschen“ oder zu hohen Hormonwerte. Stattdessen reagiert ihr Gehirn besonders empfindlich auf die normalen hormonellen Schwankungen, vor allem auf Progesteron und dessen Abbauprodukt Allopregnanolon (ALLO).

ALLO wirkt bei den meisten Menschen beruhigend. Bei Frauen mit PMDS kann diese Wirkung jedoch paradox sein: Statt Ruhe entstehen innere Unruhe, Reizbarkeit oder emotionale Überforderung. Das hängt mit einer veränderten Regulation von Botenstoffen im Gehirn zusammen, insbesondere:

  • dem GABA-System (zuständig für Beruhigung),
  • dem Serotonin-System (wichtig für Stimmung und Stabilität),
  • sowie dem Stresssystem des Körpers.

Auch das Stresshormon Cortisol scheint bei PMDS anders reguliert zu sein. Studien zeigen, dass Frauen mit PMDS oft eine abgeschwächte oder verzögerte Stressreaktion haben, was dazu führen kann, dass sie sich schneller überfordert oder „dauerangespannt“ fühlen.

Psychologische und soziale Einflussfaktoren

PMDS steht in engem Zusammenhang mit Stress. Frauen mit PMDS berichten häufiger von:

  • frühen belastenden Erfahrungen oder Traumata,
  • hoher aktueller Belastung (z. B. durch Arbeit, Familie, Zeitdruck),
  • einem erhöhten inneren Stressniveau.

Solche Erfahrungen können das Stresssystem langfristig empfindlicher machen, sodass hormonelle Schwankungen stärker „durchschlagen“.

Zudem zeigen viele Betroffene:

  • eine erhöhte emotionale Sensibilität,
  • stärkere Selbstkritik,
  • Neigung zu Grübeln und innerem Kreisen,
  • Schwierigkeiten, Gefühle in der späten Zyklusphase zu regulieren.

Wichtig dabei:

Viele Frauen wissen rational, was ihnen helfen würde, können diese Strategien aber in der späten Lutealphase nicht mehr zuverlässig umsetzen. Das Gefühl, „nicht mehr man selbst zu sein“, ist daher kein persönliches Versagen, sondern Ausdruck einer phasenabhängigen neurobiologischen Dysregulation.


Fazit

PMDS ist eine echte, medizinisch anerkannte Erkrankung. PMDS entsteht nicht durch „Einbildung“, mangelnde Belastbarkeit oder falsches Verhalten. Sie ist das Ergebnis einer erhöhten biologischen Sensitivität des Gehirns gegenüber hormonellen Schwankungen, die durch Stress, frühere Erfahrungen und emotionale Regulationsmuster zusätzlich verstärkt werden kann. Eine gezielte Behandlung – z. B. mit Psychotherapie und/oder Medikamenten – kann die Symptome deutlich lindern und die Lebensqualität verbessern.

Mehr Infos unter: https://pmds-hilfe.de/

Beddig, T. & Kühner, C. (2017). Aktuelle Aspekte zur Prämenstruellen Dysphorischen Störung – Ein Überblick. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie, 67 (12), 504–513.

Nayman, S., Schricker I.F. & Kühner, C. (2022). Die Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS): Eine neue Diagnose in der ICD-11. Psychotherapeutenjournal (02/2022) Verfügbar unter: https://pmds-hilfe.de/wp-content/uploads/2023/08/PTJ_2002-2_Artikel-Nayman-et-al._K3.pdf

World Health Organization (WHO). (2022). GA34.41 Premenstrual dysphoric disorder. ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics (Version: 02/2022). Verfügbar unter: https://icd.who.int/browse11/l-m/en (24.02.2022)