In einer neuen Studie fassen Faraone und Kolleginnen und Kollegen den aktuellen Wissensstand zu ADHS zusammen und beleuchten Ursachen, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten.
Die neuroentwicklungsbedingte Störung hat eine stark genetische Grundlage, wobei Umweltfaktoren wie pränatale Belastungen diskutiert werden, ohne klare kausale Beweise. Neurobiologisch zeigen sich Unterschiede in Gehirnstrukturen und -funktionen, vor allem in Netzwerken für Aufmerksamkeit und Impulskontrolle.
ADHS-Symptome – Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität – variieren stark in Ausprägung und Schweregrad. Die Störung ist komplex und häufig von Begleiterkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen begleitet. Die Diagnosestellung erfolgt zuverlässig durch standardisierte Kriterien (z. B. DSM-5), erfordert jedoch eine umfassende Erhebung von Lebensgeschichte und Komorbiditäten.
Bei der Therapie scheint es keine universelle Lösung zu geben, ein multimodaler Ansatz erzielte hier die besten Ergebnisse. Medikamente wie Stimulanzien (z. B. Methylphenidat) lindern Kernsymptome effektiv, während psychotherapeutische Ansätze, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie, helfen, Alltagsprobleme zu bewältigen. Ergänzend fördern körperliche Aktivität und psychoedukative Programme langfristige Verbesserungen.
Besonders hervorgehoben wird der Nutzen von Online-Therapien, die den Zugang zur Behandlung erleichtern, vor allem in unterversorgten Regionen. Abschließend fordert der Artikel mehr Forschung zu personalisierten Ansätzen, die auf neurobiologischen und genetischen Erkenntnissen basieren, um die Versorgung weiter zu optimieren. Der Schlüssel zur erfolgreichen ADHS-Behandlung liegt demnach in einer individuell abgestimmten Kombination aus Medikamenten, Therapie und unterstützenden Maßnahmen.
Quelle:
Faraone, S. V., et al. (2024). Attention-deficit/hyperactivity disorder. Nature Reviews Disease Primers. DOI: 10.1038/s41572-024-00495-0.